Bildgenerierung mit Sidekick Server didaktisch nutzen: Ein praktischer Guide
Ein Partnerbeitrag von Emelie Steens & Saskia Moseke von der Tobit Software GmbH
Generative KI-Tools sind lĂ€ngst im Unterricht angekommen. Sie erstellen Schaubilder zur Photosynthese, visualisieren Szenen aus der KlassenlektĂŒre oder komponieren Beispiel-Songs fĂŒr den Musikunterricht. Die Technik ist beeindruckend. Die eigentliche pĂ€dagogische Herausforderung liegt aber woanders: Wie stelle ich sicher, dass ein Tool Lernprozesse unterstĂŒtzt statt sie abzukĂŒrzen?
Die Antwort zeigt sich im Einsatz. Ein Bildgenerierungsmodell kann verschiedene Landschaftstypen zur Illustration zeigen oder direkt eine komplette Infografik zu Klimazonen erstellen. Ein Musikmodell kann eine 30-sekĂŒndige Stil-Demo fĂŒr Barock liefern oder einen fertigen Song, den SchĂŒler*innen als eigene Komposition abgeben. Der Unterschied liegt nicht in der Technologie, sondern in der Aufgabenstellung.
Mit Sidekick Server lassen sich individualisierte KI-Agenten fĂŒr den Unterricht erstellen. Die Plattform vereint alle fĂŒhrenden KI-Modelle auf einer OberflĂ€che und nutzt ihre jeweiligen StĂ€rken: Perplexity fĂŒr Recherchen, ChatGPT fĂŒr logisches Denken, Claude fĂŒr sprachliches und kreatives Arbeiten. Eigene Agenten lassen sich fĂŒr spezialisierte Aufgaben maĂschneidern. Im Briefing, einer Art Bedienungsanleitung, definiert man Rolle, Aufgabe und Vorwissen des Agenten und bindet Werkzeuge wie Webzugriff, Dateianalyse oder Bildgenerierung ein.
Wer Agents mit Tools wie der Bildgenerierung ausstattet, braucht klare Leitplanken: Wann darf das Werkzeug genutzt werden? Wie sollen die Ergebnisse aussehen? Was darf es auf keinen Fall zeigen? Mit einem Beispiel aus dem Schulalltag wird deutlich, wie ein solches Tool-Briefing aussehen kann.
1. Bildgenerierung:
1.2 Use Cases im Unterricht
Bildgenerierung ist da sinnvoll, wo visuelle Vorstellungskraft gefragt ist, aber nicht einfach drauf los generiert werden soll. Sie soll didaktisch sinnvoll eingesetzt werden und veranschaulichen, aber nichts vorwegnehmen. Im Geschichtsunterricht können SchĂŒler*innen zum Beispiel historische Alltagsszenen rekonstruieren lassen, um Quellentexte zu illustrieren. In Biologie entstehen Darstellungen von lebensechten Ăkosystemen, die im nĂ€chsten Schritt beschriftet und beschrieben werden können. Im Fremdsprachenunterricht visualisiert der Agent Vokabeln oder Redewendungen, um das GedĂ€chtnis zu unterstĂŒtzen.
Ăhnlich wie sprachbasierte KI bei falscher Anwendung halluziniert, ist auch die Bildgenerierung nicht fĂŒr alle Aufgaben geeignet. Vor allem bei prĂ€zisen, datenbasierten und schematischen Arbeiten werden generierte Bilder schnell ungenau â beispielsweise beim Erstellen von Schaubildern, Graphen, Tabellen oder anatomisch genauen Darstellungen. Bildgenerierungsmodelle verfĂŒgen ĂŒber kein mathematisches und logisches VerstĂ€ndnis. Stattdessen sollte man in solchen FĂ€llen auf Werkzeuge wie WolframAlpha oder Python zurĂŒckgreifen.
1.3 Briefing-Struktur am konkreten Beispiel
Nehmen wir als Beispiel den Agent Meta Phor, der bei der Charakterisierung literarischer Figuren im Deutschunterricht unterstĂŒtzt. Die SchĂŒler*innen erstellen zunĂ€chst eigenstĂ€ndig eine Charakterisierung zu einer Figur und geben diese in den Chat mit Meta Phor ein. Der Agent erstellt auf Basis der herausgearbeiteten Ă€uĂeren Merkmale, Charaktereigenschaften und Besonderheiten ein Bild der Figur. AnschlieĂend können die SchĂŒler*innen ihre Bilder untereinander vergleichen und reflektieren, welche Eigenschaften sie unterschiedlich interpretiert und charakterisiert haben. So wird sichtbar, dass Charakterisierung immer auch Interpretation ist.
Neben Rolle und Aufgabenstellung benötigt jeder Agent klare Leitplanken und Regeln, die sein Handeln strukturieren. FĂŒr den Agent „Meta Phor“ wĂ€ren das beispielsweise:
- Voraussetzungen: Die Charakterisierung muss vorliegen (Text, Stichpunkte oder Mindmap). KlÀre durch gezielte Nachfragen erst den Rahmen und generiere dann.
- Erstelle keine Bildgenerierung, wenn noch keine Charakterisierung vorliegt, das Bild die Charakterisierung ersetzen soll oder keine eigenstÀndige Vorarbeit geleistet wurde.
- BerĂŒcksichtige bei der Bildgenerierung die beschriebenen Ă€uĂeren Merkmale (Alter, Kleidung, Haltung, Gesichtsausdruck), innere Eigenschaften wie Körpersprache und Mimik, soziale Stellung z.B. durch die Umgebung oder das Erscheinungsbild und den historischen/literarischen Kontext sowie die Epoche
Eine strukturierte Darstellung erleichtert dem Agent die Verarbeitung. Definieren Sie im Briefing deutlich: Was soll er tun? Was soll er vermeiden? So wird der didaktische Ansatz sofort erkennbar.
SchĂŒler*innen können ihre Bildvorstellungen oft noch nicht prĂ€zise formulieren. Damit der Agent dennoch gute Ergebnisse erzielt, sollte er vor der Generierung gezielte RĂŒckfragen stellen. Geben Sie ihm dafĂŒr konkrete Beispielfragen vor.
- Fragen vor Generierung: „Zeig mir deine Charakterisierung“. „Welche Merkmale hast du herausgearbeitet?“. „In welcher Situation soll die Figur dargestellt werden?“
- Nach der Generierung:Â Bild mit eigener Charakterisierung und Textstellen vergleichen. „Welche Merkmale sind sichtbar? Was fehlt? Passt es zu deinen Textbelegen?“
Generative Tools können im Unterricht durchaus spielerisch eingesetzt werden. Eine prĂ€zise didaktische Zielsetzung hilft dem Agent jedoch, seine Rolle optimal zu erfĂŒllen und pĂ€dagogisch sinnvolle Ergebnisse zu erzielen. Eine solche Zielsetzung könnte beispielsweise so formuliert sein:
- Ziel: SchĂŒler*innen sollen erkennen, dass Charakterisierung Interpretation ist. Das Bild macht die eigene Lesart sichtbar
1.4 Beispiel aus einem Chat:
Zuerst gibt der Agent den SchĂŒler*innen ein kurzes Feedback. Da wir dem Agent keine Vorgaben gemacht haben, wie das Bild aussehen soll, macht er VorschlĂ€ge, die die SchĂŒler*innen bei ihrer Entscheidung unterstĂŒtzen. Nach einer Antwort fĂ€ngt er direkt mit der Generierung an.
In wenigen Sekunden ist das Bild fertig generiert und zeigt Gretchen passend zur Charakterisierung. Der Agent stellt eine RĂŒckfrage, ob das Bild der Vorstellung entspricht, und gibt anschlieĂend eine weitere Aufgabe. Der SchĂŒler soll sich ĂŒberlegen, wie sich Gretchen im Laufe des Romans Ă€uĂerlich verĂ€ndern könnte. Der Agent hĂ€lt SchĂŒler*innen so aktiv im Lernprozess und regt zum Weiterdenken an.Â
Die Eingangsfrage wird damit deutlich. Der Unterschied zwischen KI als LernabkĂŒrzung und KI als Lernwerkzeug liegt im Briefing. Ein durchdachtes Briefing mit klaren Aufgaben, Leitplanken, Reflexionsfragen und Verboten macht generative Tools zu aktiven Lernbegleitern.
Die vorgestellten Prinzipien funktionieren nicht nur fĂŒr Bilder â sie lassen sich auf Musik-, Video-, Recherche- oder Textgenerierungs-Tools ĂŒbertragen. Die Technik entwickelt sich weiter, die Modelle werden leistungsfĂ€higer. Die didaktische Gestaltung aber bleibt bei den Lehrenden. Eigene Agenten im Unterricht zu erproben und schrittweise anzupassen, fĂŒhrt zu Werkzeugen, die echte Lernprozesse anstoĂen.
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