„LaTeX-Vibe-Coding“: Auf Prism mit ChatGPT gemeinsam naturwissenschaftliche PDFs erstellen
OpenAI hat mit Prism einen Workspace geschaffen, mit dem User die Auszeichnungssprache LaTeX auf der Grundlage von GPT-5.2 im Rahmen eines Vibe Coding direkt in ein PDF wandeln können. Die Plattform soll das gemeinsame wissenschaftliche Arbeiten fördern, denn über eine Teilen-Funktion lässt sich Prism öffnen und gemeinsam bearbeiten. Der folgende Beitrag zeigt einen einfachen Weg, wie man auch als Einsteiger mit Prism umgehen könnte. Hier geht es zum OpenAI-Blogbeitrag.
Warum LaTeX und nicht Word? Eine (sehr) gute Frage 😉 Möchte man in naturwissenschaftlichen Bereichen wie der Mathematik oder Physik Dokumente mit Text, Formeln und Abbildungen erstellen und dann als PDF wandeln, so wird es Probleme bei der Umsetzung geben, da zum Beispiel Berechnungen nicht optimal dargestellt werden können. LaTeX wird somit vor allem für ein bestmögliches Layout verwendet, um zuverlässig arbeiten zu können. LaTeX ist keine Programmiersprache, sondern eine Auszeichnungssprache.
Der obere Screenshot zeigt die Startseite von Prism und oben rechts befindet sich der Button „Neu“. Dort draufklicken und ein neues Projekt erstellen. Prism lässt sich in einem bestimmten Umfang kostenlos verwenden. Im Beispiel bin ich über den Plus-Plan von ChatGPT eingeloggt.
Nach kurzer Wartezeit wird direkt ein fertiges Projekt präsentiert, also die linke Seite mit dem LaTeX-Code und rechts die PDF-Ansicht. Auf der linken Seite ganz oben werden die „Packages“ angezeigt, die aufgerufen werden, um zum Beispiel eine Abbildung oder eine mathematische Formel einzufügen. Dies sind die Werkzeuge von LaTeX und vergleichbar mit den Bibliotheken von Python oder auch Plugins in WordPress. Klickt man rechts im PDF auf eine Stelle, so werden links die passenden Zeilen Code markiert und man kann sich als User gut orientieren.
Auf der linken Seite im Workspace Prism kann der Chat mit GPT-5.2 genutzt werden, um LaTeX-Code zu generieren. Daher im Titel die Bezeichnung „Vibe Coding“, denn es benötigt keinerlei Kenntnisse dieser beliebten Auszeichnungssprache. ChatGPT wurde mit allerlei Material und natürlich auch LaTeX-Code trainiert. Es versteht somit diese Sprache sehr gut und kann sie auch gezielt „remixen“.
Prism bietet wirklich viele Einstellungsmöglichkeiten und dies ist nicht selten eben auch Geschmackssache, mit welchen Settings man gerne arbeitet. Damit alle Änderungen, die ich in LaTeX auf der linken Seite über meine Prompts mit ChatGPT vornehme, auch unmittelbar auf der rechten PDF-Seite sichtbar werden, lohnt es sich, kurz oben links über das Zahnrad in die Einstellungen zu wechseln und dort den Haken bei „Echtzeit-Kompilierung“ auf „On“ zu stellen. Ansonsten muss man dies manuell jedes Mal über den Button-Klick auf „Kompilieren“ vornehmen. Der Button befindet sich ganz oben, fast in der Mitte.
Nachdem ich den Switch vorgenommen habe, starte ich auch schon den ersten Prompt, um ein ausgewähltes Thema zu bearbeiten und darzustellen. Im oberen Screenshot ist mein Prompt hin zum Wechsel auf das Top-Thema Quantencomputing mit den Qubits dargestellt, das GPT-5.2 in einfacher Sprache mit passenden Berechnungen und Abbildungen ausgeben soll. Hierfür wird nun der LaTeX-Code geändert und direkt gespeichert. Dies läuft über die Hauptdatei main.tex.
Auch wenn weitere tex-Dateien für mehr Übersichtlichkeit erstellt werden, bleibt die main.tex „die Chefin“. Der Vorgang von den Codeänderungen unter Berücksichtigung aller Dateien bis hin zur PDF-Ansicht wird als Kompilierung bezeichnet.
Der Vorgang geht recht schnell und im Handumdrehen, ist die rechte Seite mit der PDF-Darstellung komplett erneuert mit Titel, Beschreibungen, Abbildungen etc. Benötigt es Anpassungen wie zum Beispiel mehr Text oder eine weitere Abbildung, so kann man dies innerhalb von Prism mit einem Folgeprompt jederzeit ändern, also ganz „klassisches“ Vibe Coding.
Da mir eine Abbildung zu wenig ist, habe ich GPT-5.2 im Chat mitgeteilt, dass eine weitere Grafik neben der vorhandenen dargestellt werden soll. Dies hat gut funktioniert, also das abgebildete Verhältnis von 1/4 bzw. 3/4 bzw. die Messung der Wahrscheinlichkeiten ist korrekt erfasst. Das hinzugefügte Kuchendiagramm ist etwas oberhalb des Balkendiagramms ausgegeben und genau so etwas ließe sich dann über Folgeprompts korrigieren, wie z.B. ***achte darauf dass die Abbildungen auf einer Höhe sind*** oder Ähnliches.
In diesem Beispiel werde ich aber keine „Schönheitskorrekturen“ vornehmen, sondern wechsel zu ChatGPT in den normalen Chatmodus und erstelle dort über die OpenAI-interne Bild-KI „gpt-image-1.5″ ein geeignetes Titelbild, um das PDF ansprechend zu designen. Denn LaTeX gibt zwar über die vorhandenen Pakete schicke Abbildungen aus, aber LaTeX ist keine Bild-KI und kann somit auch keine neuen Bilder generieren. Aber es lassen sich problemlos JPGs und PNGs einfügen.
Der obere Screenshot zeigt nach einem sehr simplen Prompt ein Bild im Querformat, das den Themenbereich „Quantencomputing“ mit der „Superposition“ zeigt. Über das „Plus-Symbol“ hatte ich die Bildgenerierung vorab an der Promptleiste aktiviert. Daher muss ich dies nicht extra im Prompt ansprechen. So spart man Zeit.
Die erzeugte Bilddatei habe ich einfach mit „gehaltenem“ Mausklick aus dem Ordner ganz links in die Seitenleiste mit den vorhandenen Dateien gezogen. Klappt der Upload nicht, so kann es sein, dass innerhalb des Titels der Datei ein Leerzeichen eingefügt wurde und dies akzeptiert LaTeX nicht.
Die Auszeichnungssprache LaTeX hat ihre Regeln und diese gilt es einzuhalten. Daher einfach die Datei wie im Beispiel umbenennen und bei der Bezeichnung von „ChatGPT.png„ gibt es dann auch keine Fehlermeldung mehr und im Anschluss kann das Bild weiterverwendet werden. Nun wird es stetig links in der Seitenleiste angezeigt und lässt sich jederzeit im Vollbild betrachten.
Die folgende Abbildung zeigt auf der rechten Seite das erfolgreiche Einfügen des KI-generierten Bildes innerhalb des PDFs als Titelbild. Es lässt sich gut erkennen, dass wirklich immer die Datei „main.tex“ im Zentrum der Kompilierung steht, egal ob man nun Text oder ein Bild hinzufügt. Dies lässt sich alles sehr gut nachvollziehen.
Nicht selten werden in solch einem Projekt weitaus mehr Bilder und Grafiken hochgeladen und da kann es schon mal vorkommen, dass die Nutzer nicht mehr genau wissen, um welche Datei es sich genau handelt, die jemand vor einem halben Jahr mittels Upload hinzugefügt hat. Einfach einen Klick auf die Datei, schon wird „ChatGPT.png“ optimal dargestellt.
Das Entfernen, Herunterladen und Umbenennen von tex-Dateien und Bildern lässt sich über einen Rechtsklick durchführen. Zu Beginn ist es gar nicht so verkehrt, die linke Seite mit weniger Inhalt zu füllen, da man sonst schnell den Überblick verlieren könnte, insbesondere falls im Team gearbeitet wird.
Nun ist das PDF fertig und könnte in Prism heruntergeladen werden. Aber wir schauen uns nun die linke Seite etwas genauer an und klicken oben neben der Überschrift „Quantencomputing“ auf den Pfeil nach unten. Es öffnet sich ein Menü mit unterschiedlichen Punkten, wie zum Beispiel dem Teilen dieses Projektes, um in einem Team, bestehend aus beispielsweise drei Forscherinnen und Forschern, gemeinsam daran arbeiten zu können.
Dazu ließen sich ausgewählte ChatGPT-Nutzer einladen und schon kann das Projekt gezielt um einen exklusiven Personenkreis erweitert werden. Alle Passagen im LaTeX-Code können zudem von jedem User kommentiert werden, um zum Beispiel einen Hinweis hinzuzufügen oder wichtige Anmerkungen vorzunehmen. Auch das macht den KI-LaTeX-Editor Prism so übersichtlich. Es gibt wirklich noch viele weitere Settings, die man einstellen kann, aber dafür benötigt es wohl mindestens einen weiteren LaTeX-Blogbeitrag.
Zum Abschluss wird oben noch das heruntergeladene PDF dargestellt, das im lockeren „Vibe-Coding-Stil“ erstellt wurde und sich jederzeit aktualisieren ließe. Auch OpenAI hat die speziell für Wissenschaftlerinnen & Wissenschaftler konfigurierte KI-Umgebung Prism etwas genauer vorgestellt und zwar anhand eines Physik-Use-Case. Viel Erfolg beim Umsetzen!
Erklärvideo von OpenAI auf YouTube (externe Verlinkung)
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